Riff
ICH BIN KEIN SHREDDER. DAS WEISS ICH
Bei LEISE geht es für mich um Ton, Melodie – und darum, dass die Gitarre dem Song dient.
RIFF: Du sagst selbst, dass du kein Shredder bist. Ist das eine bewusste Abgrenzung?
HALUK: Absolut. Ich weiß, dass es viele Gitarristen gibt, die technisch schneller und spektakulärer spielen können als ich. Bei LEISE interessiert mich aber etwas anderes: der Ton, die Melodie und die Frage, was ein Gitarrenpart für einen Song leisten kann. Auch als Produzent versuche ich, mich mit der Gitarre in den Gesamt-klang zu integrieren - manchmal sogar bewusst unterzuordnen. Wenn am Ende der Song gewinnt, hat die Gitarre ihren Job gemacht.
RIFF: Trotzdem hast du eine klare persönliche Handschrift.
HALUK: Ich bin schon der Stratboy. Die Stratocaster ist für mich einfach ein Instrument, mit dem ich mich identifiziere. Im Studio bin ich aber nicht dogmatisch. Eine Les Paul darf auch einmal in Drop D laufen, und bei eher poppigeren Nummern greife ich sehr gerne zur Telecaster. Gerade diese unterschiedlichen Charaktere sind für Produktionen spannend.
RIFF: Deine Gitarren sind also keine Museumsstücke?
HALUK: Ganz und gar nicht. Eigentlich ist keine meiner Gitarren mehr komplett original. Ich habe über die Jahre an vielen Stellen Veränderungen vorgenommen und probiere gerne unterschiedliche Pickups aus. Tonerider gehören zu meinen Favoriten. Eine Telecaster habe ich sogar mit einem Häussel Alnico 3 ausgestattet. Die ist wirklich messerscharf - genau so eine Gitarre kann einer Produktion plötzlich eine ganz eigene Kontur geben.
RIFF: Und was passiert hinter den Gitarren - beim Amp?
HALUK: Im Studio greife ich gerne zum Marshall JCM 800. Ich mag an diesem Amp besonders, dass man mit den passenden Pickups unglaublich viel über den Volume-Regler der Gitarre steuern kann. Solo auf 10, Rhythmus auf 7 und für einen etwas cleaneren Sound auf 5. Genau dieses Spiel mit der Dynamik liebe ich. Man muss nicht für jeden Sound einen neuen Kanal aufmachen.
RIFF: Auf der Bühne sieht dein Setup etwas anders aus.
HALUK: Ja, live darf es für mich gerne etwas unkomplizierter sein. Dort kommt die Simulation meines Valeton GP-200 zum Einsatz. Aber auch da bleibt der Volume-Regler ein wichtiges Werkzeug. Gute Gitarrenarbeit besteht für mich nicht nur aus Pedalen und Presets, sondern vor allem darin, mit den Händen und dem Instrument zu arbeiten.
RIFF: Du spielst außerdem bei den GroßstadtEngel. Wie verändert das deinen Gitarrenansatz?
HALUK: Schon ziemlich stark. Es ist ein Unterschied, ob man gitarrenorientierten Pop wie bei LEISE spielt oder Partymusik wie „Gute Laune" bei den GroßstadtEngel. Dort ist musikalisch deutlich mehr Zurückhaltung gefragt. Die GroßstadtEngel stehen für energiegeladene Live-Shows und eingängige Party- und Familienmusik - da muss die Gitarre den Groove unterstützen und darf nicht ständig um Aufmerksamkeit kämpfen.
RIFF: Das klingt fast noch einem Plädoyer gegen das Gitarren-Ego.
HALUK: Ich bin generell keiner dieser Gitarristen, die ihr Ego in den Vordergrund spielen müssen. Der Song muss in seiner Gesamtheit funktionieren. Im Studio ist es sogar schon passiert, dass ich mehr als 16 Gitarrenspuren aufgenommen habe - und beim Mixdown wurden daraus am Ende deutlich weniger. Vieles wurde verschlankt oder komplett ausradiert Haha. Da muss ich durch. Aber genau das gehört für mich zum Produzieren dazu: Man muss bereit sein, sich selbst zu hinterfragen.
RIFF: Wos erwartet uns auf dem neuen LEISE-Album?
HALUK: „ALPHA" ist unser bisher größtes Projekt. Das Album umfasst 20 Songs und erscheint am 11. Dezember 2026. Der Titel passt für mich gut, weil „ALPHA" nicht nach Rückblick klingt, sondern nach Aufbruch. Wir haben viel ausprobiert, aber die Idee bleibt dieselbe: Songs zu machen, die ehrlich sind, eine Melodie haben und musikalisch funktionieren.